West-Nil-Virus erstmals bei einem Pferd in der Schweiz nachgewiesen
Das IVI hat am 26.8.2026 einen Fall von West Nil Virus bei einem Pferd in der Schweiz gemeldet. Da das Pferd nie im Ausland war, ist dies der erste Fall einer in der Schweiz erworbenen Infektion. Die Bestätigung kommt angesichts zahlreicher Fälle bei Pferden und Menschen in mehreren europäischen Ländern nicht überraschend. Die Übertragung erfolgt über Stechmücken.
Mithilfe einer mehrstufigen Diagnostik identifizierte das IVI den Erreger bei einem Pferd mit neurologischen Symptomen: In Serumproben konnten IgM-Antikörper gegen das West-Nil-Virus nachgewiesen werden, was auf eine immunologische Antwort kurz nach der Infektion hinweist. Um die Diagnose abzusichern, wurden ein paar Tage später erneut Proben vom gleichen Pferd genommen, in denen IgG-Antikörper gegen das West-Nil-Virus nachgewiesen werden konnten. Das bedeutet, dass die Immunantwort gereift ist, wodurch eine kürzlich erfolgte Infektion klar bestätigt wurde. Da ein direkter Virusnachweis in den Blutproben nicht möglich war, und um eine mögliche eine Kreuzreaktivität durch Antikörper gegen andere Flaviviren auszuschliessen, wurden die Proben zusätzlich ans Friedrich-Loeffler Institut in Deutschland geschickt, wo mittels Serum-Neutralisationstest spezifische WNV neutralisierende Antikörper in allen Serumproben des Tieres bestätigt wurden. Das Pferd hat sich inzwischen von der Krankheit erholt.
Nach dem ersten Nachweis des Shamonda-Virus bei Pferden am 25.08.2026 handelt es sich bereits um die zweite neu auftretende virale Krankheit bei Pferden innerhalb einer Woche. Alle Proben von Pferden mit neurologischen Symptomen, die am IVI untersucht werden, werden systematisch auf beide Erreger getestet.
Pferde und Menschen sind Fehlwirte
Das West-Nil-Virus wird von Stechmücken der Gattung Culex übertragen und kommt hauptsächlich bei Wildvögeln vor. Durch die Stechmücken kann es aber auch auf Menschen und auf Säugetiere (Z.B Pferde) und andere Wirbeltiere übertragen werden. Eine direkte Übertragung von Pferd zu Pferd oder von Pferd zu Mensch ist hingegen nicht nachgewiesen. Pferde und Menschen sind deshalb sogenannte Fehlwirte.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die meisten infizierten Pferde zeigen keine Symptome, bei rund 10 % der Tiere bricht jedoch eine schwere neurologische Erkrankung aus. Beim Menschen verläuft eine Infektion meist asymptomatisch oder mit leichtem Fieber. In seltenen Fällen kann eine Infektion jedoch zu einer schweren Gehirn- oder Hirnhautentzündung führen.
Keine Überraschung
Die Bestätigung von West-Nil-Fieber bei einem Pferd in der Schweiz kommt angesichts der zahlreichen Fälle bei Pferden und Menschen in verschiedenen europäischen Ländern nicht überraschend. Besonders in diesem Jahr hat die Zahl der Fälle in einigen europäischen Ländern deutlich zugenommen. Im Jahr 2022 wurde in der Schweiz erstmals das West-Nil-Virus bei einheimischen Mücken im Tessin nachgewiesen. Im Jahr 2025 wurde im Tessin zudem der erste von Mücken lokal übertragene Fall von West-Nil-Fieber beim Menschen bestätigt.
Nach dem ersten bestätigten Fall bei einem Pferd erhärtet sich die Vermutung, dass sich das Virus auch nördlich der Alpen in der Schweiz zunehmend etabliert.
One Health
Da die Krankheit vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, gilt das West-Nil-Fieber als Zoonose. Das IVI, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeiten seit mehreren Jahren mit mehreren Forschungseinrichtungen in der Schweiz zusammen, um die Überwachung des West-Nil-Virus im Sinne von «One Health» zu stärken. So koordiniert die amtsübergreifende Arbeitsgruppe «Vektoren» die verschiedenen Aktivitäten.
Am IVI selbst werden diverse Forschungsprojekte zum West-Nil-Fieber durchgeführt, sowohl zur Überwachung bei Wildvögeln Blog Corinne Gerber – Zugvögel und Viren als auch zu Infektionsmechanismen beim Menschen Blog Amal Fahmi – Organoide.
Diagnostik
Das West-Nil Fieber ist eine vektor-übertragene, zu überwachende Tierseuche (Tierseuchenverordnung TSV). Die Diagnostik am IVI wird in Mittelhäusern durchgeführt.
Bitte immer Probenmaterial für gleichzeitigten Nachweis Virusgenom und Antikörper einsenden.
Probenmaterial
Virusgenom Nachweis (RT-qPCR)
- Lebendes Tier: Serum, Liquor Totes Tier: Gehirn, Liquor
- Totes Tier: Gehirn, Liquor
Antikörper Nachweis (wichtig: Impfstatus angeben)
- Serum
Weitere Informationen
- BLV : West-Nil-Fieber (WNF)
- BAG : West-Nil-Virus (WNV)
