Shamonda-Virus in der Schweiz
Das IVI hat am 31. Juli 2026 das Shamonda-Virus in Proben von Rindern mit Fieber, Durchfall und Milchrückgang nachgewiesen. Es handelt sich um das erstmalige Auftreten eines weiteren Virus der Simbu-Serogruppe in der Schweiz seit dem ersten Ausbruch des Schmallenberg-Virus im Jahr 2012.
Seither wurde das Virus auch in abortierten Rinderfoeten und in Pferden mit zentralnervösen Störungen nachgewiesen.
Updates zum dynamischen Geschehen des Shamonda-Virus in der Schweiz
Update vom 16. September 2026 : Ab Oktober 2026 verlagert sich der Schwerpunkt der Überwachung in der Schweiz auf Fehlgeburten sowie missgebildete / beeinträchtigte Jungtieren: Proben von abortierten Föten sowie von missgebildeten / beeinträchtigten Jungtieren werden am IVI weiterhin kostenlos auf das Shamonda-Virus (SHAV) getestet. Die Kosten für diese Untersuchungen werden vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) übernommen.
Dieser gezielte Ansatz wird dazu beitragen, anhaltende virusassoziierte Erkrankungen zu erkennen und ein aussagekräftigeres Bild der klinischen Auswirkungen des SHAV in der Schweiz zu erhalten.
Kostenlose Untersuchungen auf das Shamonda-Virus (SHAV) in Proben von ausgewachsenen Tieren werden nur noch bis Ende September 2026 angeboten. Da sich die Vektorsaison allmählich dem Ende nähert und die Wahrscheinlichkeit einer akuten Infektion bei ausgewachsenen Tieren schnell abnimmt, ist nicht mehr mit wesentlichen zusätzlichen Erkenntnissen durch die grossflächige Untersuchung solcher Proben zu rechnen.
Daher sollten entsprechende Proben nicht mehr zur SHAV-Untersuchung eingesandt werden. Ab 1. Oktober werden diese nur noch kostenpflichtig getestet (100 CHF).
Update vom 9. September 2026: Von den eingesandten Proben von Aborten wird immer noch ein grosser Anteil positiv auf Shamondavirus getestet. In Proben von erwachsenen Rindern wird jedoch ein kleinerer Anteil an positiven Proben getestet. Das deutet darauf hin, dass die akute Infektionswelle mit dem Shamondavirus abklingt.
Eine erste Publikation zu den Erfahrungen der ersten Wochen des Shamonda-Ausbruchs in der Schweiz ist nun als Preprint-Version online verfügbar: First Identification, Isolation and Genomic Characterization of an Emerging Shamonda Virus Variant Associated with Bovine Disease in Switzerland[v1] | Preprints.org
Die Tiere wurden wegen neurologischen Symptomen in den letzten Wochen am IVI auf WNV untersucht. Das Shamondavirus konnte in den verfügbaren Proben dieser Tiere nicht (mehr?) nachgewiesen werden, nur Antikörper. Der Nachweis der Antikörper weist auf eine vorausgegangene Exposition gegenüber dem Virus hin, erlaubt jedoch keinen Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zwischen einer möglichen Shamondavirus-Infektion und den beobachteten neurologischen Symptomen.
Die Diagnostik von Shamondavirus beim Pferd wird im Moment am IVI nur nachfolgend auf eine Untersuchung auf das WNV angeboten : Diagnostik Tierseuchen – Pferde.
Im Hirn von einem erkrankten Pferd wurde mittels unspezifischer Sequenzierung (metagenomic NGS) an der Abteilung Neurologische Wissenschaften der Vetsuisse-Fakultät Bern Erbgut des Shamonda-Virus gefunden. Das IVI hat in Hirnproben von diesem und einem weiteren Pferd das Shamonda-Virus mittels pan-Simbu-PCR nachgewiesen.
Es ist aus der Literatur bekannt, dass Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe, zu der das Shamondavirus gehört, zwar vor allem Wiederkäuer, aber selten auch Pferde infizieren können. Der Virusnachweis wurde aber in Europa bei Pferden noch nie erbracht.
Seit einigen Wochen wurde ein vermehrtes Auftreten von ungeklärten zentralnervösen Erkrankungen bei Pferden in verschiedenen Regionen der Schweiz bei Equinella gemeldet (Equinella: Tabellarische Übersicht der Meldungen) und an den Pferdekliniken der Vetsuisse Fakultät in Bern (Institut suisse de médicine équine, ISME) und Zürich (Universitäres Tierspital) behandelt. Der Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen und dem Orthobunyavirus scheint sehr wahrscheinlich.
Der Virusnachweis war nur im Hirnmaterial möglich, während Blut und Liquor negativ blieben, was möglicherweise auf eine noch kürzere Virämie als bei den Rindern zurückzuführen ist. Weitere Abklärungen sind nötig, um mehr über die Infektion bei Pferden zuerfahren. Das IVI arbeitet mit Hochdruck daran, die Diagnostik auch für lebende Pferde zu ermöglichen.
Betroffene Pferde können zum jetzigen Zeitpunkt nur symptomatisch behandelt werden. Die Übertragung erfolgt nach heutigem Wissensstand durch Gnitzen. Ein konsequenter Mückenschutz senkt daher die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.
Weitere Informationen: ISME Bern und Avenches
Auch Rinder im Kanton Tessin, Glarus und Graubünden wurden positiv getestet. Damit sind nun 22 Kantone betroffen. Nachdem bereits die Niederlande Ausbrüche gemeldet haben, wurde so eben auch der Nachweis in Österreich (Vorarlberg und Oberösterreich) von der AGES bestätigt.
Um allfällige Infektionen und Auswirkungen des Shamonda-like-Virus auf Kleinwiederkäuer und Neuweltkameliden zu überwachen, hat der Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK) einen Fragebogen lanciert, der auch bei Probeneinsendungen ans IVI ausgefüllt werden sollte (siehe Link unten).
Update vom 17. August 2026: Seit der ersten Bestätigung des Shamonda-like-Virus in der Schweiz wurde das Virus in den letzten zwei Wochen in 17 Kantonen und im Fürstentum Liechtenstein in Blutproben und in mehreren abortierten Föten nachgewiesen. Auch in Europa breitet sich das Virus weiter aus. In den letzten Tagen wurde es auch in den Niederlanden nachgewiesen.
Update vom 13. August 2026: Das IVI hat das Virus zum ersten mal auch in Rindern aus dem Fürstentum Liechtenstein nachgewiesen. Eine weitere Ausbreitung nach Osten ist zu befürchten. Das IVI steht in engem Austausch mit dem zuständigen Labor in Österreich.
Wichtig zu beachten für Abortuntersuchungen: Das IVI kann keine ganzen Föten untersuchen. Bitte beachten Sie die Angaben zum einzusendenden Probenmaterial weiter unten auf dieser Seite.
Update vom 10. August 2026: Die Analyse der am IVI erfolgten vollständigen Virussequenzierung mehrerer einzelner Tiere aus verschiedenen Kantonen erbringt den endgültigen Beweis, dass es sich um das Shamonda-like-Virus handelt. Das Virus ist praktisch identisch mit dem in Deutschland nachgewiesenen Virus und unterscheidet sich auch zwischen einzelnen Beständen nur wenig. Weitere Untersuchunungen zur genauen taxonomischen Einteilung des Virus sind am laufen.
Seit dem 6. August 2026 hat das IVI zum ersten Mal in Proben von mehreren abortierten Rinderföten aus unterschiedlichen Beständen das Shamonda-like-Virus festgestellt. Weitere mögliche Abortursachen und Zusammenhänge werden derzeit abgeklärt. Diese Fälle bestätigen die Vermutung, dass das Virus transplazentär auf Rinderföten übertragen werden kann, was möglicherweise Aborte zur Folge haben kann. Das Geschehen wird vom IVI zusammen mit dem BLV, Rindergesundheit Schweiz (RGS) und weiteren Partnern intensiv verfolgt.
Info vom 3. August 2026: Das IVI hat am 31. Juli 2026 zum ersten Mal Viren der Simbu-Serogruppe in Proben von Rindern in der Schweiz nachgewiesen.
Viren der Simbu-Serogruppe, zu der das Shamonda-Virus und das Schmallenberg-Virus gehören, kommen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor und werden, ähnlich wie das Virus der Blauzungenkrankheit, durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen.
Die bisherigen Ergebnisse des IVI decken sich mit Erkenntnissen aus Frankreich und Deutschland wo das Virus ebenfalls zirkuliert.
Ob zusätzlich ein Zusammenhang zwischen der aktuellen Hitzewelle und den gemeldeten Krankheitsgeschehen besteht ist derzeit nicht klar. Hohe Temperaturen stellen jedoch insbesondere für Hochleistungsmilchkühe eine erhebliche Belastung dar und können die Tiere anfälliger für Erkrankungen machen.
Symptome und Diagnostik
Unspezifische Symptome wie Fieber, Durchfall oder Leistungsrückgang können auch auf eine hochansteckende Tierseuche hinweisen. Tierhaltende sollten daher umgehend ihre Tierärztin oder ihren Tierarzt informieren, damit bei Bedarf die notwendigen Untersuchungen eingeleitet werden können.
Beobachtete klinische Symptome beim Rind
Nahezu alle betroffenen Rinderbetriebe berichten über ein Krankheitsgeschehen mit einer Dauer von etwa 14–21 Tagen. Die häufigsten klinischen Symptome sind:
- Fieber (>40 °C) über 1–2 Tage
- Massiver Milchrückgang
- Fressunlust
- Durchfall
Einzusendendes Probenmaterial beim Rind
- Lebendes Tier: Serum und (optional) EDTA-Blut.
- Totes adultes Tier: Wenn möglich Serum, sonst Milz und Körperhöhlenflüssigkeit, bei neurologischen Symptomen Hirnmaterial.
- Abortierte Föten: Hirn, Milz, Herzblut/Körperhöhlenflüssigkeit – keine Planzenta, keine ganzen Föten / ganze Köpfe.
Kostenübernahme
Kostenlose Untersuchungen auf das Shamonda-Virus (SHAV) in Proben von ausgewachsenen Tieren werden nur noch bis Ende September 2026 angeboten und werden ab 1. Oktober nur noch kostenpflichtig getestet (100 CHF). Es ist wichtig, dass:
- Auf dem IVI-Untersuchungsantrag Angaben zur Art und Dauer der Symptome der beprobten Tiere gemacht werden:
- Der vom Rindergesundheit Schweiz RGS verfasste Fragebogen zu den Symptomen auf Bestandesebene: Fragebogen «Fieberhafte Durchfallerkrankungen bei Rindern»
Abortierte Föten : Proben von abortierten Föten sowie von missgebildeten / beeinträchtigten Jungtieren werden am IVI weiterhin kostenlos auf das SHAV getestet. Die Kosten für diese Untersuchungen werden vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV übernommen.
Für Kleinwiederkäuer
Hier ist der vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK/SSPR) verfasste Fragebogen zu den Symptomen auf Bestandesebene:
«Fieberhafte Durchfallerkrankungen bei Schafen, Ziegen und Neuweltkameliden»
Bei Pferden
Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer wenden sich bei Fragen an ihren Tierarzt oder ihre Tierärztin.
Tierärztinnen und Tierärzte melden sich bei einem Verdachtsfall vor einer allfälligen Überweisung bei der ISME Pferdeklinik Bern (031 684 22 43) oder bei den Pferdekliniken in Zürich (044 635 81 15). Bitte melden Sie entsprechende Fälle als «Fall ohne Diagnose» und unter Angabe der beobachteten Symptomatik sowie der bisher vorliegenden Testresultate bei Equinella.
Weitere Informationen: ISME Bern und Avenches


